Tinnitus und Ohrgeräusche: was dahintersteckt
Das Pfeifen, das Sie in der Stille hören, bilden Sie sich nicht ein. Es ist ein gut beschriebenes Phänomen mit sehr unterschiedlichen Ursachen — und mit echten Handlungsmöglichkeiten, wenn man weiß, welche.
Was ist Tinnitus und wie hört er sich an?
Tinnitus ist der medizinische Ausdruck für ein Geräusch, das nicht von außen kommt. Wer es beschreibt, spricht von einem hohen Pfeifen, von Rauschen, Zischen, Brummen, Klingeln, manchmal von einem Pulsieren im Takt des Herzschlags. Ohrensausen ist das ältere deutsche Wort für dieselbe Sache.
Der Ton kann ein Ohr betreffen, beide oder scheinbar „im Kopf“ sitzen. Manche hören ihn dauerhaft, andere nur abends, wieder andere nur nach lauten Tagen. Die Lautstärke schwankt, und viele beschreiben, dass sie in schlechten Wochen deutlich höher liegt als in guten — ohne dass sich am Ohr selbst etwas geändert hätte.
Tinnitus ist keine Krankheit mit einer einzigen Ursache, sondern ein Symptom, so wie Fieber eines ist. Deshalb gibt es keine einzelne Behandlung, die bei allen wirkt, und deshalb ist Misstrauen gegenüber jedem, der die endgültige Beseitigung verspricht, die erste Form von gesundem Menschenverstand.
In den allermeisten Fällen ist der Tinnitus subjektiv: Nur die betroffene Person hört ihn. Viel seltener ist er objektiv, also auch bei der Untersuchung messbar — dann liegt die Ursache fast immer im Bereich der Gefäße oder der Muskulatur.
Woher kommen Ohrgeräusche und Ohrensausen?
Die häufigsten Auslöser, ungefähr in der Reihenfolge, in der sie in der Praxis auftauchen.
Lärmbelastung
Jahre in lauten Betrieben, Konzerte, Kopfhörer auf hoher Lautstärke. Unter sechzig die häufigste Ursache — und die einzige, der man vollständig vorbeugen kann.
Alterung des Innenohrs
Mit den Jahren nehmen Zahl und Empfindlichkeit der Haarzellen ab. Häufig begleitet der Tinnitus einen Hörverlust, den die betroffene Person selbst noch gar nicht bemerkt hat.
Halswirbelsäule und Kiefergelenk
Verspannungen im Nacken und Probleme am Kiefergelenk können Ohrgeräusche auslösen oder verstärken. Wer nachts mit den Zähnen knirscht, sollte das ansprechen.
Ohrenschmalzpfropf
Banal und häufig. Es lohnt sich immer, das zuerst auszuschließen — dafür genügt eine einzige Untersuchung.
Ototoxische Medikamente
Manche Antibiotika, hoch dosierte Entzündungshemmer, Entwässerungsmittel und Chemotherapeutika können Ohrgeräusche verursachen. Wenn sie nach dem Beginn einer Therapie aufgetreten sind, sagen Sie es der behandelnden Praxis.
Stress und schlechter Schlaf
Sie verursachen den Tinnitus nicht, verändern aber massiv, wie stark man ihn wahrnimmt. In belastenden Phasen wird dasselbe Geräusch unerträglich.
Blutdruck und Gefäße
Ein pulsierendes Geräusch im Takt des Herzschlags hat oft einen Bezug zu Blutdruck oder Gefäßen. Das gehört ärztlich abgeklärt und nicht mit einem Präparat abgetan.
Wann zum Arzt bei Tinnitus — und wann ist es ein Hörsturz?
Eine HNO-ärztliche Untersuchung ist kurzfristig nötig, wenn der Tinnitus plötzlich auftritt, nur ein Ohr betrifft, pulsierend ist oder mit Hörverlust, Schwindel oder Schmerzen einhergeht. Ein plötzlicher einseitiger Hörverlust gilt als Hörsturz und ist ein Fall für die zeitnahe ärztliche Abklärung, nicht fürs Abwarten.
Ein plötzlich einsetzendes, einseitiges Ohrgeräusch mit dem Gefühl, dass das Ohr „zu“ ist, kann auf einen Hörsturz hindeuten. Hier zählen Tage: Je früher untersucht und behandelt wird, desto besser stehen die Aussichten. Das ist der eine Fall auf dieser Seite, bei dem Abwarten die falsche Entscheidung ist.
Ein pulsierender Tinnitus, der im Takt des Herzschlags läuft, gehört ebenfalls immer abgeklärt, weil er einen Ursprung im Gefäßsystem haben kann.
In allen übrigen Fällen bleibt die Untersuchung trotzdem der Anfang. Ohne Befund tappt man im Dunkeln, egal was man sonst unternimmt — und der wichtigste Teil dieses Befunds ist die Hörkurve, um die es im nächsten Abschnitt geht.
Und noch etwas, das selten jemand ausspricht: Wenn das Geräusch Sie um den Schlaf bringt oder Ihre Stimmung dauerhaft drückt, ist das ebenfalls ein Grund, in die Praxis zu gehen. Die psychische Belastung ist bei chronischem Tinnitus der Teil, der sich am besten behandeln lässt.
Kein Nahrungsergänzungsmittel, Aurivit eingeschlossen, ersetzt diese Abklärung. Ein Produkt von der Ernährungsseite hat neben einer Diagnose seinen Platz, nicht an ihrer Stelle.
Tinnitus und Schwerhörigkeit: warum Hörverlust so oft dazugehört
Tinnitus und Schwerhörigkeit treten häufig gemeinsam auf, weil beide von denselben Haarzellen im Innenohr abhängen: Fallen sie in einem Frequenzbereich aus, fehlt dort Hörvermögen — und genau dort sitzt bei vielen auch der Pfeifton. Ein Audiogramm beim HNO-Arzt zeigt in wenigen Minuten, ob neben dem Ohrgeräusch ein Hörverlust besteht. Schwerhörigkeit ist dabei ein messbares Weniger an Gehör, Tinnitus ein wahrgenommenes Zuviel an Geräusch.
Ein großer Teil der Menschen mit dauerhaftem Ohrgeräusch hat gleichzeitig einen messbaren Hörverlust — viele, ohne es zu ahnen. Das liegt am selben Gewebe: Die Haarzellen im Innenohr übersetzen Schall in Nervensignale, und sie werden mit den Jahren weniger, nach Jahrzehnten im Lärm noch schneller. Fehlen sie in einem bestimmten Frequenzbereich, kommt von dort weniger Information oben an. Die gängige Erklärung für den Tinnitus setzt genau hier an: Das Hörsystem dreht die Empfindlichkeit für den stillen Bereich hoch und erzeugt dabei ein Eigensignal. Nicht jedes Detail dieses Modells ist gesichert, es erklärt aber, warum der Ton bei vielen ungefähr in der Tonhöhe liegt, in der die Hörkurve absackt.
Deshalb ist das Audiogramm keine Formsache, sondern der eigentliche Anfang. Die Prüfung dauert wenige Minuten: Über Kopfhörer kommen Töne verschiedener Höhe, immer leiser werdend, und Sie drücken, sobald Sie etwas wahrnehmen. Am Ende steht eine Kurve, die für jede Frequenz angibt, ab welcher Lautstärke Sie hören. Eine Senke im hohen Bereich — das typische Muster nach langer Lärmbelastung — sieht man auf einen Blick, auch wenn im Alltag noch nichts aufgefallen ist. Genau deshalb findet die Untersuchung so oft eine Schwerhörigkeit, von der vorher niemand gesprochen hat.
Steht der Hörverlust fest, ist ein Hörgerät die naheliegende Versorgung — und es wirkt häufig auf beides. Wer die fehlenden Frequenzen zurückbekommt, hört wieder Alltagsgeräusche, die den inneren Ton überdecken; viele Träger beschreiben, dass das Pfeifen dadurch in den Hintergrund rückt, ohne verschwunden zu sein. Weg ist es nicht, aber es bekommt Konkurrenz. Deshalb steht in der Tabelle weiter unten das Hörgerät an erster Stelle und kein Präparat.
Bleibt der Unterschied, der im Gespräch ständig durcheinandergerät. Schwerhörigkeit ist ein Weniger: Etwas von außen kommt nicht mehr an, es lässt sich messen, und im Alltag verrät es sich durch den lauter gedrehten Fernseher und das dritte „Wie bitte?“ am Tisch. Tinnitus ist ein Zuviel: Etwas ist da, das von außen gar nicht kommt, und außer Ihnen hört es in aller Regel niemand. Das eine versorgt man mit Verstärkung, das andere mit Gewöhnung, Beratung und Entlastung im Alltag. Wer beides hat, braucht auch beides — und merkt oft erst nach dem Audiogramm, dass es zwei Baustellen sind und nicht eine.
Eine bestätigte Schwerhörigkeit gehört in die HNO-Praxis und zum Hörakustiker — dort wird das Hörgerät angepasst, das in der Tabelle weiter unten an erster Stelle steht.
Was hilft gegen Tinnitus? Die Ansätze im Überblick
Eine nüchterne Zusammenstellung dessen, was einem bei der Suche nach Hilfe begegnet — mit dem, was darüber bekannt ist.
| Ansatz | Was man darüber weiß | Anmerkung |
|---|---|---|
| Hörgeräte bei begleitendem Hörverlust | Etablierter Teil der Versorgung | Kommen die Außengeräusche zurück, rückt der Ton in den Hintergrund |
| Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) | Kombination aus Beratung und Geräuschanreicherung | Ziel ist die Gewöhnung, nicht das Abschalten des Tons |
| Kognitive Verhaltenstherapie | Einer der am besten untersuchten Ansätze | Ändert nicht den Ton, sondern wie stark er belastet |
| Klangtherapie, Rauschen im Hintergrund | Fester Bestandteil der Bewältigung | Verringert den Kontrast zur Stille, vor allem abends |
| Ginkgo-Präparate | Traditionelle Anwendung für die Durchblutung; untersucht wird meist mit 240 mg Extrakt pro Tag | Auf die Menge achten: 60 bis 80 mg pro Tag sind auf Etiketten verbreitet, 240 mg sind es nicht |
| Magnesium | Beliebte Selbstmedikation, dünne Datenlage | Arbeitet an Muskeln und Elektrolythaushalt; in Aurivit deckt Vitamin B2 den Nerventeil ab |
| Vitamin B12 | Wird bei nachgewiesenem Mangel ärztlich ergänzt | Ohne Mangel kein belegbarer Nutzen fürs Ohr |
| Schüßler-Salze | Kein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis | Wer sie nutzt, sollte die HNO-Abklärung trotzdem nicht auslassen |
| Lärmpausen und Schlafhygiene | Indirekt, aber spürbar | Der am meisten unterschätzte und billigste Hebel |
| Versprechen auf endgültige Heilung | Ohne jede Grundlage | Wer so wirbt, verkauft — informieren tut er nicht |
Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, hängt vom Befund ab — deshalb steht das Audiogramm am Anfang dieser Liste und nicht am Ende.
Warum wird der Tinnitus bei Stress lauter?
Fast jeder, der länger mit Ohrgeräuschen lebt, kennt diese Beobachtung: In ruhigen Wochen ist der Ton leiser, in anstrengenden lauter. Am Ohr hat sich dabei nichts verändert. Verändert hat sich, wie viel Aufmerksamkeit das Gehirn auf dieses Signal richtet.
Anspannung, Schlafmangel und Dauerbelastung schärfen die Aufmerksamkeit für Warnsignale — evolutionär sinnvoll, im Alltag mit Tinnitus fatal. Der Ton wird wichtiger genommen, dadurch stärker wahrgenommen, dadurch stressiger. Diesen Kreis zu durchbrechen, ist genau der Punkt, an dem Verhaltenstherapie und Retraining ansetzen.
Praktisch heißt das: Schlaf, Lärmpausen und Entlastung im Alltag sind keine Nebensache neben der „eigentlichen“ Behandlung, sondern ein eigenständiger Teil davon. Wer nachts durchschläft, beschreibt seinen Tinnitus fast immer als leiser — auch wenn ein Messgerät dasselbe anzeigen würde wie vorher.
Genau an dieser Stelle setzen zwei der vier Wirkstoffe in Aurivit an. Rosenwurz gilt in der nordischen Kräutertradition als Adaptogen für Phasen der Erschöpfung, und Vitamin B2 trägt zur normalen Funktion des Nervensystems sowie zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei — 2,8 mg am Tag, das Doppelte des Nährstoffbezugswerts.
Wo ein Nahrungsergänzungsmittel wie Aurivit ansetzt
An einer klar begrenzten Stelle: bei der Unterstützung von der Ernährungsseite. Aurivit enthält Ginkgo biloba und Rosenwurz — zwei Pflanzen aus der Kräutertradition, die mit Durchblutung und Umgang mit Belastung verbunden werden — sowie Vitamin A und Vitamin B2, die zur normalen Funktion des Nervensystems, zum Schutz der Zellen vor oxidativem Stress, zur Erhaltung normaler Schleimhäute und zur Verringerung von Müdigkeit beitragen.
Die Mengen stehen offen da: 120 mg Ginkgo-Extrakt und 200 mg Rosenwurz pro Kapsel, bei zwei Kapseln täglich also 240 mg und 400 mg, dazu 800 µg RE Vitamin A und 2,8 mg Vitamin B2. Pro Kapsel sind das 321,8 mg Wirkstoff bei 500 mg Inhalt — 64 %, der Rest ist Träger. Beide Extrakte sind standardisiert: Ginkgo auf 24 % Flavonglykoside und 6 % Terpenlactone, Rosenwurz auf 3 % Rosavine und 1 % Salidrosid.
Vier Wirkstoffe statt einer langen Liste, und hinter jedem eine Zahl. Das ist der Unterschied, den man auf dem Etikett nachrechnen kann: 321,8 mg Wirkstoff zu 178,2 mg Träger.
In Deutschland kennen viele Tebonin — ein rezeptfreies Arzneimittel mit einem Ginkgo-Spezialextrakt, mit eigener Zulassung und eigener Studienlage. Aurivit ist ein Nahrungsergänzungsmittel mit veröffentlichten Mengen und kostet 39 € für zehn Einnahmetage. Ob ein Arzneimittel für Sie infrage kommt, klären Sie in der Apotheke oder in der HNO-Praxis.
Bestellt wird direkt beim Hersteller: 20 Kapseln für 39 € statt 78 €, bezahlt beim Boten, wenn das Paket da ist. Weder Apotheke noch Marktplatz führen das Produkt — an diesem Preis ändert das nichts.
Häufige Fragen zu Tinnitus
Geht Tinnitus von allein weg?
Manchmal ja, vor allem bei einer vorübergehenden Ursache wie einem Ohrenschmalzpfropf oder einer einmaligen Lärmbelastung. Hält er länger als drei Monate an, spricht man von chronischem Tinnitus, und das realistische Ziel wird dann Bewältigung statt Beseitigung.
Kann die Halswirbelsäule Ohrgeräusche verursachen?
Sie kann dazu beitragen. Verspannungen im Nacken und Beschwerden am Kiefergelenk sind bei einem nennenswerten Teil der Betroffenen mit Tinnitus verbunden. In diesen Fällen senkt eine gezielte Behandlung des Nackens oft die wahrgenommene Intensität.
Bringt weißes Rauschen tatsächlich etwas?
Es verringert den Abstand zwischen der Stille und dem inneren Geräusch. Der Ton verschwindet dadurch nicht, aber Abende und Einschlafen werden für viele deutlich erträglicher.
Verschlechtert Kaffee den Tinnitus?
Eine allgemeingültige Regel gibt es nicht. Manche bemerken eine Verschlechterung durch Koffein, Alkohol oder sehr salziges Essen. Diese Dinge für ein paar Wochen zu reduzieren, ist ein Test, der nichts kostet.
Gibt es eine endgültige Heilung?
Für chronischen Tinnitus existiert bis heute keine Behandlung, die ihn in allen Fällen beseitigt. Wirksame Werkzeuge für den Umgang damit gibt es sehr wohl. Jede Seite, die sichere Heilung verspricht, sollten Sie sehr kritisch lesen.
Ist eine Hörprüfung notwendig?
Ja. Das Audiogramm zeigt, ob neben dem Tinnitus ein Hörverlust besteht, und davon hängt ein großer Teil der weiteren Entscheidungen ab, die Frage nach einem Hörgerät eingeschlossen.
Was ist der Unterschied zwischen Tinnitus und Schwerhörigkeit?
Tinnitus ist ein wahrgenommenes Geräusch ohne äußere Quelle, Schwerhörigkeit ist eine gemessene Verringerung des Hörvermögens. Beides tritt oft gemeinsam auf, ist aber nicht dasselbe — und wird unterschiedlich versorgt.
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